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DIE PSORIASIS VULGARIS IM KINDESALTER


In der Kindheit werden die Weichen fürs Leben gestellt. Deshalb ist die psychologische Betreuung für junge Psoriatiker, die die Schuppenflechte als Teil ihres Lebens akzeptieren müssen, besonders wichtig.



HÄUFIGKEIT UND AUSLÖSEFAKTOREN

Neben der Neurodermitis constitutionalis atopica ist die Schuppenflechte die zweithäufigste chronische Hauterkrankung bei Kindern; Grund genug, daß sich neben Haut- und Kinderärzten auch Allgemeinärzte eingehend mit ihr befassen. Erfreulicherweise wird der Kinderpsoriasis zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt und die Notwendigkeit einer möglichst früh einsetzenden umfassenden Behandlung unter Einbezug der Klimatherapie (insbesondere der HochgebirgsKlimatherapie) erkannt. Seit Bestehen der dermatologischallergologischen Kinderabteilung in Davos wurden dort im Zeitraum von 1979 bis 1991 102 Kinder mit Psoriasis behandelt, 60 Mädchen und 42 Jungen (Geschlechterverhältnis von 1,4: 1). Die Zahl der gleichzeitig behandelten Kinder hat sich in dieser Zeit ständig erhöht, was für die besondere Verträglichkeit und Wirksamkeit der Klimatherapie im Hochgebirge spricht. Beim Neugeborenen bzw. Säugling ist die Psoriasis äußerlich zunächst noch nicht erkennbar. Es bedarf - wie bereits erwähnt - später mehr oder weniger zufällig auftretender Auslöser oder manifestierender Faktoren, um die Hauterscheinungen hervorzurufen.

Man spricht auch von der psoriatischen Reaktion durch den inneren Krankheitsdruck.
Speziell für das Kindesalter spielen eine Rolle:
- Innere Erkrankungen: Fieberhafte, besonders grippale Infekte im weitesten Sinne Allgemeine und örtliche Infektionskrankheiten, besonders Infektionen der Nebenhöhlen und Mandelentzündungen

- Operative Eingriffe: Blinddarmentzündung etc. Unfälle aller Art mit Operationen

- Unfälle ohne Operationen:
Im Kindesalter besonders häufig Verbrühungen und Sportunfälle

- Jahreszeitliche Einflüsse:
Erste Krankheitszeichen besonders im Frühjahr, Herbst und Winter, weniger oder kaum im Sommer

- Hormonelle Einflüsse: Eintritt in die Pubertät

- Streß:
Besonders seelischer, aber auch körperlicher Art. Hierzu sind besonders familiäre Schwierigkeiten und Streitigkeiten, Ängste, Schulstreß, Prüfungsängste, Arbeitslosigkeit in der Familie sowie Todesfälle in Familie und Verwandtschaft zu zählen.

- Sonnenbrand:
Die natürliche Sonnentherapie gehört einerseits zur Psoriasisbehandlung, andererseits kann aber eine zu intensive Besonnung über einen Sonnenbrand den ersten Psoriasisschub hervorrufen.

- Ernährung:
Gerade bei Teenagern kann es während einer raschen Gewichtszunahme oder bei beginnendem Alkoholgenuß zu einem ersten Schuppenflechteschub kommen. Fehlernährung (zu viel, zu fett, zu süß oder zu scharf) ist gleichfalls als Auslöser bekannt.

- Allergien:
Nicht selten beobachtet man bei Psoriasispatienten erhöhte Immunglobin-E-Werte. Diese speziellen Antikörper im Blut reagieren besonders auf Pollen, Tierhaare und andere Allergene.
Entgegen unseren Beobachtungen glauben andere Untersucher festgestellt zu haben, daß bei Patienten mit Psoriasis genauso häufig eine Atopie - Allergieneigung - auftritt wie in der Normalbevölkerung. Auch an Kontaktallergene muß gedacht werden (Jeans-Knöpfe, Modeschmuck, Metallgegenstände mit Nickel).
Allergien, insbesondere auch atopische Neurodermitiden, können die Psoriasis durch Juckreiz, Kratzen und Hautreizung aktivieren und damit Hauterscheinungen fördern. ? Medikamente: Arzneimittel kommen im Kindesalter als Auslöser kaum in Frage.

- Impfungen:
Bei Impfungen, z. B. gegen Tetanus und die sogenannten Kinderkrankheiten, sind Aktivierungen der Psoriasis beobachtet worden.Interessanterweise sind die aufgelisteten Erstauslöser der Psoriasiserscheinungen im späteren Leben der Betroffenen in gleichem Maße auch die Auslöser von Rückfällen. Bei gut einem Drittel der Psoriasiserkrankungen bleibt die auslösende Ursache aber unklar, nicht zuletzt, weil der Koebner-Effekt nach mechanischen Reizungen oder die Auswirkungen von starken psychischen Belastungen erst circa 10 bis 12 Tage später auftreten. Das auslösende Ereignis ist dann meist schon vergessen, oder seine Bedeutung wird im Rückblick unterschätzt. Eine Ausnahme ist ein Schweißbläschenschub an den Händen, der bereits einen Tag nach der Reizung auftritt. Es ist allerdings noch unklar, ob die Bläschenbildung direkt der Psoriasis zuzuordnen ist.

Erkrankungen müssen durch Bluttests ausgeschlossen werden). Bei den 102 untersuchten psoriatischen Kindern in Davos fanden wir in 8 Fällen eine Beteiligung der Gelenke, wobei Mädchen deutlich häufiger betroffen waren als Jungen. Mit einer Ausnahme wurde ein Befall der Gelenke immer erst nach dem 6. Lebensjahr festgestellt.

KRANKHEITSBILD

Die Psoriasis ist eine mit Entzündungen der Haut und Schuppenbildung einhergehende chronische Hautkrankheit, die im Kindesalter zunächst mehr ausschlagartig auftritt und oft wie ein seborrhoisches Ekzem aussieht. Ansonsten entspricht die Psoriasis bei Kindern mit zunehmendem Alter weitgehend dem Bild der Psoriasis bei Erwachsenen. Ausgehend von unseren Erfahrungen mit den stationär behandelten Kindern in Davos können wir feststellen:

- Die Psoriasis tritt erstmals zwischen dem 1. und 13. Lebensjahr auf, mit einer auffälligen Häufung bei Eintritt in die Pubertät.

'- In etwa 2/3 der Fälle ist als erstes die behaarte Kopflaut betroffen.
- Anfangs bestimmt meist die tröpfchenförmige, kleinfleckige Form der Psoriasis das Bild, die oft in Zusammenhang mit lokalen Infektionsherden steht.
- Juckreiz kommt bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen.
- Ausgesprochen selten kommen Nagelbefall (erst nach der Geschlechtsreife), Befall der Genitalien und die pustelförmige Schuppenflechte vor.
- Selten ist auch die gelenkbezogene Schuppenflechte mit dem typischen Befall der äußeren Finger und Zehengelenke (rheumatische

THERAPIE BEI KINDERN

Die hier vorgestellte Behandlung der Kinderpsoriasis beruht vorwiegend auf den Erfahrungen und Erkenntnissen, die wir in der Klinik für Dermatologie und Allergie in Davos sammeln konnten.
Ein auf mehreren Säulen beruhendes vielfältiges Therapiekonzept hat sich in vielen Jahren gut bewährt. Im wesentlichen kommt bei Kindern nur eine äußerliche Behandlung in Frage.

Zusammengefaßt beruht die äußere Therapie der Kinderpsoriasis auf folgenden Behandlungsstufen:
1. Abschuppung
2. Akute Behandlung
3. Pflegende Behandlung

ABSCHUPPUNG
- Es werden vor allem salizylsäurehaltige Cremes und Salben (5-10%ig) auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Wäßrige Emulsionen lassen sich aus behaarten Bereichen leichter wieder auswaschen als fettige Cremes.
Eine längere hochprozentige Salizylsäureanwendung auf größeren Hautpartien sollte allerdings nicht durchgeführt werden, da dieses Medikament in den Körper aufgenommen werden und unter Umständen zu Gesundheitsschäden führen kann.
- Bäder in kochsalzhaltigem Wasser wirken mild abschuppend und sind uneingeschränkt zu empfehlen.

AKUTE BEHANDLUNG
- Kortisonhaltige Präparate sollen grundsätzlich sowenig wie möglich verwendet werden. Bewährte Darreichungsformen sind: Hydrokortison und Tioxolon (3-5 %ig) in Cremeform, Flumethason, Teer und Salizylsäure in Salbenform.
Besonders bei hartnäckigen, verdickten Herden helfen Verbände und Folienumschläge mit: Kortisoncremes mittlerer Konzentration, die 2-3 Tage lang eingesetzt werden, Kortikoid-SalizylsäureKombinationen in Salbenform und Kortikoid-Salizylsäure-Kombinationen als Salbe oder Tinktur (besonders für die Gehörgänge).

- Kortisonfreie Mittel sind unproblematischer. Bewährt haben sich: Cignolin-Harnstoff-Kombinationen in Cremeform (abgestufte Konzentration für schwache, normale und starke Wirksamkeit) Cignolin (0,5-1 %ig) + Salizylsäure als fertige Spezialsalbe, Teer-Allantoin-Creme, Salizyl-Diachylon-Salbe, Kombinationen aus Salizylsäure und Steinkohleteerauszügen und Salizylsäure-Harnstoff-Kombinationen als Lotion oder Salbe.
Speziell für die Kopfbehandlung eignen sich:
Lotionen mit Resorcin (3 %ig) und Salizylsäure (2 %ig) und Salizylsäure-Alkohol.

- Ab einem Alter von 12-14 Jahren können Retinoide (0,050,25 %ig als Gel oder Salbe) eingesetzt werden. Eine mit Retinoiden behandelte Haut reagiert empfindlich auf Licht, deshalb sollten Retinoide nur auf abgedeckten Stellen oder nachts aufgetragen werden! Wird auf Psoriasisherden ein Pilzbefall festgestellt, muß zur Bekämpfung zusätzlich an ein passendes Medikament (Antimykotikum) gedacht werden.
- Auch bei Kindern und Jugendlichen kann man eine Form der Bestrahlungstherapie und eine Klimatherapie verordnen.

Für Kinder ungeeignete Therapieformen
Weitere bei der Psoriasisbehandlung von Erwachsenen übliche externe und interne Therapien kommen wegen der bekannten und möglichen Nebenwirkungen bei noch im Wachstum stehenden Kindern nicht zur Anwendung. Dies sind

- Oral einzunehmende Retinoide
- Fumarsäure bzw. -ester (Wirkung noch nicht erwiesen)
- Zytostatika (Methotrexat)
- Psoralene (PUVA-Therapie = Empfindlichkeitssteigerung gegenüber UV-Strahlen)
- Göckerman-Methode (Empfindlichkeitssteigerung durch vorausgehende Teerbehandlung und anschließende UV-Bestrahlung)
- Cyclosporin A
- Interferone
- Arsen (heutzutage nicht mehr gebräuchlich, weder für Kinder noch für Erwachsene)Neuerdings findet auch Calcipotriol Eingang in die äußerliche Psoriasisbehandlung. Dieses Vitamin-D3Derivat reduziert die übermäßige Produktion von Hautzellen, indem es deren zu hohe Teilungsrate erniedrigt. Nach bisherigem Wissen ist die Nebenwirkungsrate gering. Erfahrungen mit der Anwendung bei Kindern liegen aber in größerem Umfang noch nicht vor.

PFLEGENDE BEHANDLUNG
Nach der Abheilung der schuppenden und geröteten Bereiche muß die Haut weiterhin gepflegt werden. Harnstoffhaltige Präparate: Für jeden Hauttyp (trockene, mittelfette oder fette Haut) gibt es eine große Auswahl harnstoffhaltiger Zubereitungsformen zur Dauerpflege der Haut. Zum Teil sind diese Präparate als Fertigprodukte mit einem Harnstoffanteil von 3, 10 oder 12% in den Apotheken erhältlich.

- Reinigung und Pflege der Haut
Seifen, Duschmittel und Schaumbäder zerstören den Säureschutzmantel der Haut und wirken austrocknend.
Zum Baden sind Öle auf Soja-, Erdnuß- und Mandelölbasis besser geeignet, da sie gleichzeitig reinigend und rückfettend wirken. Zum Waschen empfehlen sich bei der Psoriasis feste oder flüssige Syndets (alkalifreie Waschmittel), die mit einem leicht sauren pH-Wert von ca. 5,5 bis 6,0 recht hautfreundlich sind (pH-Eucerin, Eubos, Sebamed, Satina, Pid, Präcutan u. a.). Dusch- oder Wannenbäder sollten in jedem Falle durch eine kurze kalte Abduschung beendet werden. Regelmäßiges morgendliches kaltes Duschen (zwischen 6 und 8 Uhr) härtet ab, man wird weniger infektanfällig und mobilisiert auf natürliche Weise körpereigenes Kortison, das wir zum Aufrechterhalten der vielfältigsten Stoffwechselfunktionen benötigen. Das trägt zur günstigen Beeinflussung der Psoriasis bei und fördert deren Heilung. Für Kinder sind ein, maximal zwei Wannenbäder pro Woche (natürlich in Abhängigkeit von Jahreszeit, Verschmutzungsgrad durch Spiel und Sport etc.) normalerweise ausreichend. Sie sollten nicht länger als 20-30 Minuten dauern und vor allem nicht zu heiß (36-37 °C) sein, da zu lange und zu heiße Wasseranwendungen die Fettschicht der Haut abbauen und damit zu verstärkter Hautaustrocknung führen. Zur körperlichen Hygiene gehört selbstverständlich auch das tägliche Waschen oder Duschen, wiederum nicht zu lang und zu heiß. Nach dem Baden, Duschen oder Waschen ist der beste Zeitpunkt für die Hautpflege bzw. die Behandlung der Psoriasisherde. Folgende Faustregeln sollten auch Kinder schon frühzeitig erlernen:

- Zu trockene Haut erfordert Cremes oder Salben. Sie sind immer sehr dünn aufzutragen, denn sonst wird die Haut überfettet oder gleichsam "versiegelt". Staut sich der Schweiß unter der Fettschicht, besteht die Gefahr zusätzlicher Hautinfektionen durch Bakterien oder Hautpilze. Das zu dicke Auftragen der Salben verschmutzt außerdem nur unnötig die Wäsche.

- Beim weniger fetten Hauttyp oder bei mittelgradig gefetteter Haut kommen vorrangig Lotionen oder Cremes zur Anwendung.

- Bei fetter (seborrhoischer) Haut wird man eine Lotion oder eine Milch (d. h. stark wasserhaltige Zubereitungen) einsetzen.Die pharmazeutische Industrie bringt immer mehr Hautpflegeprodukte in immer feineren Kombinationen auf den Markt. Damit hat man die Möglichkeit, die äußerliche Pflege und Behandlung dem momentanen Hautzustand maßgeschneidert anzupassen, denn Sonne können am problematischen Haaransatz an Stirn, Nacken und Ohren besser einwirken und die Abheilung fördern. Überdies gestaltet sich die Behandlung des behaarten Kopfes so wesentlich einfacher. Mädchen können die Haare auch hochstecken.
bekanntlich kann durch jahreszeitliche und viele andere Einflüsse (Beruf, Streß, Flüssigkeits- und Salzzufuhr, Regelzyklus u. a.) die Hautqualität sehr variieren.
Bei der Pflege der unmittelbar auf der Haut getragenen oder die Haut berührenden Wäsche (Unterwäsche, Nachtwäsche, Hemden, Blusen, Socken, Hosen, Bettwäsche usw.) ist darauf zu achten, daß keine basischen Waschmittelreste zurückbleiben. Sie erzeugen beim Tragen gleichsam einen basischen Film auf der Haut, zerstören den Säureschutzmantel der Haut und erzeugen Hautreizungen. Zur Neutralisation der Waschlauge hat sich seit alters her die Zugabe von 1-2 Eßlöffeln normalen Speiseessigs ins letzte Spülwasser bewährt. Die Haare sollten immer möglichst kurz geschnitten werden. Luft und

PSYCHOTHERAPIE
Eine wichtige Säule in der Psoriasisbehandlung stellt die Psychotherapie dar. Die direkte psychotherapeutische Behandlung wird erst ab einem Alter von 10-12 Jahren zum Einsatz kommen. Vorher kann nur über Familientherapie oder Selbsthilfegruppen über die Eltern indirekt auf die Kinder Einfluß genommen werden. Je frühzeitiger die Kinder über die Krankheit als solche, über die vielfältigen Faktoren, die einen Psoriasisschub auslösen und verlängern können und über die Behandlungs- und Pflegemaßnahmen aufgeklärt werden, um so besser werden diese Kenntnisse im Unterbewußtsein verankert und desto länger bleiben sie erhalten. Das verpflichtet zu einer altersgerechten Aufklärung, die die Kinder gleichsam spielerisch erlernen. Auf dieser Grundlage kann man im späteren Kindesalter mit den jungen Patienten ein Anti-Streß-Programm entwickeln und praktizieren, das nicht zuletzt die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit von Patienten und behandelndem Arzt fördert.

Der psychisch belastendste Aspekt der Schuppenflechte ist sicherlich die gesellschaftlich enorm wichtige Bedeutung einer makellosen Haut, für junge Mädchen vielleicht noch bedeutsamer als für Jungen. Die Haut ist das sofort sichtbare Kontaktorgan zu den Mitmenschen und bestimmt dadurch entscheidend alle sozialen Kontakte. Eine für alle sichtbare "unsaubere Haut" beeinträchtigt und belastet spätestens ab der Pubertätsphase die seelische Entwicklung und Stabilität jedes Jugendlichen.
Bei Kindern besteht die Gefahr der Ablehnung durch Schulkameraden oder gar durch die Familie selbst. Falsch sind übermäßiges Mitleid und ein Übermaß an Zuwendung. Sie als Eltern müssen lernen, ihr Kind mit der Psoriasis zu akzeptieren, und das Kind muß lernen, mit der Schuppenflechte zurechtzukommen. Das erfordert Einfühlungsvermögen und Selbstüberwindung. Man kann den Kindern nicht früh genug beibringen, daß sie durch regelmäßige medizinische Behandlung und eigene pflegerische Maßnahmen in die Lage versetzt werden, einen möglichst guten Hautzustand zu erreichen.

Für Kinder sind Kleidungsstücke aus reiner Baumwolle, Zellwolle, Leinen und später auch Seide am geeignetsten, die viel Bewegungsfreiheit zulassen. Die Kleidung soll weit geschnitten, bequem und leger sein. Sehr eng anliegende Kleidungsstücke aus besonders festen oder groben Stoffarten, z. B. enge Jeans, scheuern auf der Haut und reizen sie unnötig. Sehr vorsichtig sollte man auch bei engen Kragen an Hemden oder Rollkragenpullovern sein. Das Schuhwerk soll möglichst aus Leder oder Leinen bestehen. Im Sommer sind offene Ledersandalen genau richtig.

KLEIDUNG

Hohe Turnschuhe, in denen die Füße stark schwitzen, sollten höchstens beim Sport getragen und danach sofort wieder ausgezogen werden.
Auch wenn sich die Kinder und Jugendlichen aus modischen Gründen anfangs nicht mit dieser Bekleidung anfreunden können, werden sie doch bald aus eigener Erfahrung merken, daß sie durch die Befolgung der wenigen Richtlinien zur optimalen Verfassung ihrer Haut beitragen können.

KÖRPERLICHES TRAINING

Sport und körperliche Betätigung sind immer zu empfehlen. Vor allem Kinder mit einem eher kompakten, gedrungenen Körperbau sollten sich früh daran gewöhnen, regelmäßig Sport zu treiben, da sie später sonst leicht Übergewicht ansetzen. Wie bei Kindern mit Neurodermitis kommt es nicht auf stressende Höchstleistungen an, sondern auf leichtere Dauerleistungen, die die Ausdauer trainieren, und auf die Freude an der Bewegung. Für welche Sportart sich die Kinder oder Jugendlichen entscheiden, ist von untergeordneter Bedeutung, solange die Haut nicht besonders strapaziert wird (z. B. durch einen engen Fechtanzug). Regelmäßiger Sport und eine vollwertige, gesunde Ernährung tragen zum Erhalt des Normalgewichts auch im fortgeschrittenen Alter bei. Sport und Spiel fördern besonders das Selbstwertgefühl und die Freude am Leben, wenn die Kinder beweisen können, daß sie auch zu guten sportlichen Leistungen fähig sind und nicht abseits stehen müssen. Das trägt zu einer stabilen, ausgeglichenen Psyche bei.

KINDERGARTEN UND SCHULE
Die verantwortlichen Kindergärtnerinnen und Lehrer müssen über die Stoffwechselerkrankung Schuppenflechte unterrichtet sein. Sie sollten vor allem wissen, daß die Psoriasis unter keinen Umständen ansteckend ist. Die vermeintliche Ansteckungsgefahr veranlaßt die Eltern anderer Kinder nicht selten zu falschen und unberechtigten Anschuldigungen. Sie verbieten ihren Kindern manchmal sogar jeden Kontakt mit dem psoriatischen Mädchen oder Jungen, wodurch diese in eine soziale Abseitsstellung gedrängt werden. Die betreuenden Pädagogen tragen eine ganz besondere Verantwortung dafür, daß Kinder mit Schuppenflechte akzeptiert, in die Gemeinschaft aufgenommen und integriert werden. Nur so können sie sich langfristig wohl fühlen und mit ihrer Erkrankung leben. In einem Klinikkindergarten oder in von den Eltern organisierten Spielgruppen lernen Kleinkinder ganz unbewußt, daß auch andere Kinder mit dieser Erkrankung fertig werden und leben können. So wird von frühester Jugend an die Persönlichkeitsentwicklung gefördert. Das beugt am wirkungsvollsten der Gefahr gesellschaftlicher Ausgrenzung vor.
Rasch werden dabei auch Freundschaften geschlossen, die das eigene Leid vergessen helfen und die oft lange über die Zeit von Klinikaufenthalt oder Spielgruppe hinaus erhalten bleiben. Im Schulalter wird die Krankheit bereits sehr bewußt erlebt. Der ganzjährige, von der Klinik in Davos unterhaltene Schulbetrieb macht eine stationäre Behandlung von den Schulferien unabhängig. Die Kinder werden nach den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer unterrichtet, sie bleiben in ihrem Lernprozeß auf dem laufenden und kommen nach der stationären Entlassung daheim schulisch nicht ins Hintertreffen.

BERUFSWAHL

Nicht selten ergibt sich der spätere Beruf aus vorhandenen natürlichen Begabungen, Fähigkeiten und Interessen, die ihren Ausdruck schon sehr früh in Hobbys finden. Solche Aktivitäten und schöpferischen Tätigkeiten sind unbedingt förderungswürdig, tragen sie doch dazu bei, das Selbstwertgefühl des Kindes zu heben. Das wiederum führt häufig zu einer Besserung des Hautzustandes. In der Familie, im Kindergarten und in der Schule sollten diese Entwicklungstendenzen aufmerksam verfolgt werden, da sie später wichtige Hinweise für die Wahl einer Ausbildung, eines Studiums und letztlich eines Berufes geben können. Streben die Jugendlichen einen mit der Psoriasis nicht zu vereinbarenden Beruf an, kann man sie rechtzeitig anregen, sich nach Alternativen zu erkundigen, die gleichermaßen ihren Neigungen entsprechen. So kann man teure, für die Betroffenen enttäuschende und frustrierende Irrwege bei der Ausbildung von vornherein verhindern. Insgesamt ist man bei der Berufswahl von jungen Psoriatikern weniger eingeschränkt als bei der Neurodermitis, bei der vor allem auch allergieauslösende Substanzen bedacht werden müssen. Die wichtigsten Gründe für die Berufswahl müssen immer die persönlichen Neigungen, Vorlieben und Fähigkeiten sein. Ein Beruf, der keinen Spaß macht, ist auf Dauer sinnlos. Zwei Aspekte müssen Psoriatiker bei der Berufswahl jedoch besonders beachten: 1. VonaußeneinwirkendeReizfaktoren müssen soweit wie möglich vermieden werden. Dazu gehören:

- Starke mechanische Beanspruchung der von der Psoriasis betroffenen Hautgebiete (z. B. bei Fliesenlegern, Bauarbeitern etc.)
- Chemische Belastung der Haut (z. B. durch regelmäßiges Waschen mit scharfen Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, den Umgang mit Lösungsmitteln, Säuren, Laugen. Bleichmitteln oder anderen aggressiven Chemikalien) a Ständige Nässe und scheuernde Kleidung (z. B. durch starkes Schwitzen in engsitzenden Schutzanzügen, in Schutzhandschuhen oder unter Helmen) a Schwere körperliche Arbeit bei Psoriasis mit Gelenkbeteiligung2. Ästhetische Gründe können bei Berufen mit Publikumsverkehr zu großen Problemen führen, da Laien alle Hautveränderungen zunächst als unhygienisch, ansteckend und abstoßend empfinden. Hier sind Tätigkeiten wie Mannequin, Verkäufer/in, Kellner/in, Steward/eß, Koch/Köchin usw. zu nennen. Vor der endgültigen Entscheidung bei der Berufswahl sollten Psoriatiker also den langjährigen Hausarzt oder einen Hautarzt aufsuchen, der anhand der persönlichen Krankheitsgeschichte ganz individuelle Empfehlungen geben wird. In den Eingangsuntersuchungen von Bundesbahn, Polizei, Bundeswehr und im Gesundheitsdienst kann die Schuppenflechte ein Ablehnungsgrund sein.