Sandimmun® Infusionslösungskonzentrat
Thema Wirksamer Bestandteil Hersteller
Immunsystem; Transplantation Ciclosporin Novartis Pharma
Wie wirkt der Inhaltsstoff?
Ciclosporin (Cyclosporin A) wird eingesetzt nach Transplantationen und
bei Krankheiten, bei denen das Immunsystem überempfindlich reagiert
oder sogar den eigenen Körper angreift (Autoimmunkrankheiten).
Unser Immunsystem schützt den Körper gegen Krankheiten. Es
erkennt fremde Zellen (Bakterien, Transplantate) oder veränderte
Körperzellen (Krebszellen, virusinfizierte Zellen) und bekämpft
sie. Die wichtigsten Abwehrzellen des Immunsystems sind Makrophagen, natürliche
Killerzellen, sowie T-und B-Lymphozyten.
Bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen sind diese Reaktionen fehlgesteuert.
Ihr Immunsystem bekämpft fälschlich auch harmlose Stoffe oder
sogar körpereigenes Gewebe und versucht es zu zerstören. In
diesem Fall muss man das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppression).
Ciclosporin ist ein selektives Immunsuppressivum aus der Gruppe der Calcineurin-Hemmer
(Calcineurin-Inhibitoren). Es hemmt gezielt das Enzym Calcineurin, das
an der Bildung des Botenstoffes Interleukin-2 beteiligt ist. Fehlt Interleukin-2
werden keine T-Lymphozyten mehr gebildet.
Dadurch wird das Immunsystem gehemmt. Der Kampf gegen vermeintliche Fremdstoffe
und den eigenen Körper wird gestoppt und die Gefahr, dass ein Transplantat
abgestoßen wird, verringert sich. Wird das Medikament abgesetzt,
ist das körpereigene Abwehrsystem wieder voll funktionsfähig.
Anwendungsgebiete
Entzündliche, nichtinfektiöse Augenerkrankung (endogene Uveitis)
Neurodermitis
Rheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis)
Schuppenflechte (Psoriasis)
Transplantation
Verlust von Eiweißstoffen über den Urin aufgrund einer Nierenfunktionsstörung
(nephrotisches Syndrom)
Warnhinweise!
Die Einstellung mit diesem Medikament ist nur geeignet für die Behandlung
in speziellen Kliniken, Instituten oder bei niedergelassenen Fachärzten
mit besonderen Erfahrungen. Die Weitebehandlung kann beim Hausarzt erfolgen.
Die täglich einzunehmende Menge von Ciclosporin kann bei jedem Patienten
verschieden sein und sich im Laufe der Behandlung ändern. Deshalb
sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, z.B. des Blutdrucks,
des Kreatininwertes oder der Wirkstoffkonzentration im Blut erforderlich.
Wird bei der Behandlung mit Ciclosporin von einem Handelspräparat
auf ein Präparat mit anderen Hilfsstoffen gewechselt, müssen
insbesondere in der Anfangszeit häufiger Kontrolluntersuchungen durchgeführt
werden.
Bitte halten Sie sich genau an die Dosierung, die Ihr Arzt für Sie
vorsieht. Ciclosporin gehört zu den so genannten Dosis-kritischen
Medikamenten - was bedeutet, dass bereits etwas zu geringe Mengen zu Wirksamkeitsverlusten
und zu hohe Dosierungen zu unerwünschten Wirkungen führen können.
Ciclosporin sollte nicht gleichzeitig mit Grapefruitsaft eingenommen werden.
Sonnenbestrahlung, Solarien und Phototherapien während der Therapie
meiden.
Wann ist das Medikament nicht für Sie geeignet (Gegenanzeigen)?
Verwenden Sie dieses Medikament nicht, wenn Sie auf einen seiner Bestandteile
allergisch reagieren.
Chronische Infektionen
Erhöhter Kaliumspiegel im Blut (Hyperkaliämie)
Krebs
Unkontrollierbarer Bluthochdruck
Vorsicht bei Nierenfunktionsstörung
Vorsicht bei Personen, die zu erhöhten Harnsäurewerten neigen
(Gicht).
Schwangerschaft und Stillzeit
Während der Schwangerschaft sollte das Medikament möglichst
nicht angewendet werden, es sei denn, Ihr Arzt hält dies für
unbedingt erforderlich.
Während der Stillzeit sollte das Medikament nicht angewendet werden.
Nebenwirkungen
Aufgelistet sind die wichtigsten, bekannten Nebenwirkungen. Sie können
auftreten, müssen aber nicht, da jeder Mensch unterschiedlich auf
Medikamente anspricht.
Manchmal reagieren Menschen allergisch auf Medikamente. Sollten Sie Anzeichen
einer allergischen Reaktion verspüren, informieren Sie sofort Ihren
Arzt oder Apotheker.
Nierenfunktionsstörung
Kopfschmerzen
Müdigkeit
Erkrankung der Nerven in Armen und Beinen (periphere Neuropathie). Symptome
wie z.B. Kribbeln, Kalt- oder Wärmegefühl, Empfindungslosigkeit
Zittern
Vermehrte Kopf- und/oder Körperbehaarung
Bluthochdruck
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Stoffwechselstörungen, z.B. Veränderung der Blutzuckerwerte,
Blutfettwerte
Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Viren
Blutbildveränderungen (Gelegentlich)
Magen-Darm-Geschwüre (Gelegentlich)
Hautausschläge (Gelegentlich)
Epileptische Anfälle (Gelegentlich)
Störungen der Monatsblut (Gelegentlich)
Gewichtszunahme (Gelegentlich)
Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) (Gelegentlich)
Gutartige oder bösartige Tumore, bei dauerhafter, hochdosierter Behandlung
(Gelegentlich)
Akne (Gelegentlich)
Wechselwirkungen
Kortikoide Methylprednisolon, Prednison und Prednisolon: Neigung zu Krampfanfällen
Antibiotika (Gyrase-Hemmer, Aminoglykoside, Cotrimoxazol), NSAID (Schmerz-
und Entzündungshemmer), Fibrate (Blutfettsenker), Virustatika, Tacrolimus
(Immunsuppressivum): Nierenschäden.
Nifedipin (Blutdrucksenker): Zahnfleischwucherung
Orlistat (Fettaufnahmehemmer): veränderte Verfügbarkeit von
Ciclosporin.
Lebendimpfstoffe sollten nicht angewendet werden. Totimpfstoffe können
an Wirksamkeit verlieren.
Kaliumreiche Ernährung, kaliumsparende Diuretika (Wassertabletten):
Anstieg Kalium-Spiegel im Blut
Verhütungsmittel zum Einnehmen (orale Kontrazeptiva), Kortison,
Digoxin (Herzschwäche), Colchicin (Gicht), CSE-Hemmer (Blutfettsenker):
Steigerung von Wirkungen und (gefährlichen!) Nebenwirkungenmreichen
Ernährung, kaliumsparende Diuretika (Wassertabletten): Anstieg Kalium-Spiegel
im Blut.
Ciclosporin wird in der Leber über das Enzymsystem Cytochrom-P-450
abgebaut. Es gibt Stoffe, die dieses Enzymsystem aktivieren, dann wird
Ciclosporin verstärkt abgebaut und verliert dadurch an Wirksamkeit.
Andere Stoffe wiederum blockieren das Enzymsystem, dann wird Ciclosporin
langsamer abgebaut und wirkt stärker und länger.
Enzymaktivierer sind: Rifampicin, Isoniazid (Tuberkulose); Johanniskraut
(Depressionen); Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin (Epilepsie); Efavirenz,
Nevirapin (HIV).
Enzymblockierer sind: Fluconazol, Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol
(Pilzinfektion); Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin (Antibiotika);
Amprenavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir (HIV); Diltiazem, Nicardipin,
Verapamil (Blutdrucksenker); Grapefruitsaft.
Bei jedem Patienten muss die richtige Dosis an Ciclosporin daher langsam
und individuell angepasst werden.
|